Der Sternhimmel im Sommer

Der Sommerhimmel wird vom Sommerdreieck dominiert. Es besteht aus den hellsten Sternen der Sternbilder Leier, Schwan und Adler und ist mit dem zarten Band der Milchstraße unterlegt.
Der Schwan (Cygnus) scheint direkt auf der Milchstraße entlang zu fliegen. Neben Deneb ist im "Kreuz des Nordens" vor allem der Nordamerikanebel bemerkenswert: Mit einem Durchmesser von zwei Grad ist dieser Gasnebel, dessen Form verblüffend an den nordamerikanischen Kontinent erinnert, für die meisten Teleskope ein zu ausgedehntes Objekt. In einem guten Fernglas kann man ihn in einer guten Nacht jedoch beobachten. Der zweite bekannte Nebel ist der Schleiernebel. Er ist der Überrest einer Supernovaexplosion, bei der vor Jahrtausenden ein massereicher Stern seinen Lebensweg abgeschlossen hat.
Der Adler (Aquila) mit seinem Hauptstern Atair befindet sich ebenfalls im Bereich des Milchstraßenbandes, so dass es sich durchaus lohnt, die Gegend mit dem Fernglas abzufahren.
Das interessanteste Sommersternbild für die Besitzer kleiner Teleskope ist wohl die Leier (Lyra). Ihr Hauptstern Wega ist der fünfthellste Stern am irdischen Himmel und lediglich 26 Lichtjahre entfernt. Sie ist ein sehr junger Stern, der noch von einer dichten Staubscheibe umgeben ist - einer sogenannten "protoplanetaren Scheibe", aus der sich vielleicht einmal ein Planetensystem bilden könnte. M 57, der berühmte Ringnebel in der Leier, ist der Überrest eines sonnenähnlichen Sterns. Im Teleskop sieht man die abgestoßene Hülle des Sterns, die als zarter Rauchring die Sternleiche umgibt. Er ist einer der schönsten planetarischen Nebel. Die Bezeichnung planetarischer Nebel stammt noch aus der Frühzeit der teleskopgestützten Astronomie: In den kleinen Teleskopen der letzten Jahrhunderte sahen diese Nebel klein und rund aus, ohne Details zu offenbaren - so ähnlich also, wie die äußeren, sonnenfernen Planeten. Das dritte erwähnenswerte Objekt ist Epsilon Lyrae, ein bekannter Mehrfachstern. Mit Teleskopen ab 75 mm Öffnung kann man erkennen, dass sich hier vier Sterne umkreisen. Solche Vierfachsterne sind sehr selten, und Epsilon Lyrae gehört zu den schönsten.
Westlich der Leier befindet sich das Sternbild Herkules. Es enthält mit M 13 einen der bekanntesten Kugelsternhaufen. Kugelsternhaufen sind Ansammlungen von mehreren zehntausend Sternen, die unsere Galaxis umgeben. Sie sind recht alte Gebilde. M 13 hat einen Durchmesser von mindestens 100 Lichtjahren und ist 22500 Lichtjahre von der Erde entfernt. Schon mit bloßem Auge kann er erahnt werden, im Fernglas ist er kaum zu übersehen.